Geistlicher Impuls
„Süß wie Honig…“
Haben Sie in der letzten Nacht geträumt? Können Sie sich vielleicht sogar an den Traum erinnern? Sehen Sie noch einzelne Szenen und grübeln, was das wohl zu bedeuten hat? Kennen Sie auch das Träumen am Tage? Sie sitzen am Frühstückstisch, aber Ihre Gedanken sind ganz woanders. Beim letzten Ausflug mit Freundinnen und Freunden. Sie hören bestimmte Sätze, die gesagt wurden. Irgendwie sind Sie auf eine bestimmte Art und Weise nicht am Frühstückstisch, sondern dort auf dem Ausflug.Träume, Tagträume … sich etwas in der Zukunft vorstellen können. Die Fantasie von uns Menschen ist wahrscheinlich unbegrenzt. Träume und Visionen gehören zu uns Menschen. Sie haben dabei zwei grundsätzliche Richtungen. Eher pessimistisch oder eher optimistisch. Aktuell schauen viele von uns eher pessimistisch in die Zukunft, vermute ich. Dies passt mit der Schriftrolle zusammen, von der der Prophet Ezechiel berichtet. „Die Schriftrolle war auf beiden Seiten beschrieben, mit vielen Klagen, mit Ach und Weh.“ (Ez 2,10)
Sie wurden beschrieben, als das Volk Israel aus seiner Heimat vertrieben wurde. Von Feinden in ihr eigenes Land mitgeschleppt. Erinnerungen an die Zeit in Ägypten wurden wach, die Träume und Visionen schlecht und bedrückend. Die Sehnsucht nach der eigenen Heimat war groß. Einer ihrer Sehnsuchtsorte, der Tempel in Jerusalem, bis auf die Grundmauern zerstört. Gefühlt war das Ende da. In die Zukunft schauten auch sie pessimistisch. Sich aber auf Gott und seine Botschaft, sein Wort neu einzulassen und zu ihm umzukehren, kam ihnen nicht in den Sinn. Sie waren voller Klagen, widersetzten sich den Propheten und konnten sich schlicht nicht vorstellen, dass eine Umkehr zu Gott eine neue Zukunft ergeben könnte. Die Schriftrolle war voller Ach und Weh. Eine Klageschrift über ihre Situation. Ezechiel berichtet: „Da sah ich eine Hand, die zu mir ausgestreckt war. Sie hielt eine Schriftrolle und breitete sie vor mir aus. (Ez 2,9) Ezechiel sieht die Schriftrolle in einer Vision, einer Offenbarung oder einem Traum? Unsere vernunftbegabten Gedanken als Menschen sind hier irgendwie hilflos und können es nur schwer einordnen. Spätestens wenn wir hören, dass Ezechiel davon berichtet, dass er von Gott einen direkten Auftrag erhält: „Du Mensch, iss, was du siehst. Iss diese Schriftrolle.“ (Ez 3,1) Spätestens hier kann und muss ich diese Vision oder diesen Traum und seine Botschaft symbolisch verstehen. Hier geht es nicht um die Beschreibung von Fakten. Hier versucht eine Zeichenhandlung Größeres zu deuten und zu verstehen und über die Beschreibung des Alltags, der von Klagen geprägt ist, hinauszublicken. Ezechiel berichtet nach dem Essen: „Da aß ich sie, und sie schmeckte süß wie Honig.“ (Ez 3,3) Inmitten der Klagen, des Ach und Wehs, inmitten der Katastrophe taucht die Hoffnung auf, dass es besser werden kann, dass es dieses Land noch gibt, wo Milch und Honig fließen. Ezechiel lässt sich auf die göttliche Botschaft ein. Er ahnt bestimmt, dass das Volk auf seine Botschaft ablehnend und widerspenstig reagieren wird. Was kann das für uns heute bedeuten? Das Essen der Buchrolle und die Annahme des Prophetenamtes deuten auf etwas Größeres hin. Eine Idee, ein Gefühl, eine Ausrichtung im Hinblick auf die Zukunft werden beschrieben und angedeutet. Dass sie süß schmeckt, deutet auf die Freude von Ezechiel hin, Gottes Willen zu tun, trotz der harten Worte, trotz der Ablehnung der Menschen. Er stellt sich der Aufgabe, Gottes Wort in die Welt zu sprechen und zu verkünden, in der er lebt. Gottes Wort überrascht häufig, stellt eigenes Verhalten in Frage und manchmal ist es süß wie Honig in dem Land, wo auch noch Milch fließt. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Fastenzeit mit vielen Begegnungen mit dem Wort Gottes auf dem Weg nach Ostern … und träumen Sie gut!
Markus Löwe
online seit: 01.03.2026










