Geistlicher Impuls
Du sollst fröhlich sein…
Kann man das eigentlich vorschreiben: Sei fröhlich! Diese Frage stellt sich noch einmal intensiver in dieser Jahreszeit. Ja, im Sommer, da ist man doch schon fast automatisch fröhlich bei dem oft schönen Wetter. Aber jetzt, wo es oft so nasskalt ist und so schnell dunkel wird, tun sich viele mit der Fröhlichkeit schwer. Fröhlichkeit ist ja sicher keine Tugend, die uns als Deutschen so nachgesagt wird. Es sei denn, man wohnt im Rhein- Main-Gebiet und es ist Karneval, bzw. Fasching.Du sollst fröhlich sein… Kann man Fröhlichkeit verordnen? Ist es überhaupt möglich, Stimmungen vorzuschreiben?
Manchmal würden wir es ja gerne selbst tun. Wie oft höre ich in der Adventszeit oder auch zu Weihnachten: „Ich bin noch gar nicht so richtig in Weihnachtsstimmung.“ Wie schön wäre es, wenn wir einfach nur einen Schalter umlegen könnten und fertig wäre die richtige Stimmung. Das wäre sicher ein teuer zu verkaufendes Geheimwissen. Um möglichen Spekulationen vorzubeugen: Ich habe dieses Geheimrezept auch nicht. Aber persönliche Rituale können einem durchaus dabei helfen, sich in die entsprechende Stimmung zu bringen. Ohne sie geht’s meistens nicht, mit ihnen aber auch nicht immer.
Das kann das Weihnachtskeksebacken sein oder das festliche Dekorieren. Das kann der Adventskalender genauso leisten wie die Angewohnheit, mehr Kerzen als sonst bei verschiedenen Anlässen anzuzünden.
Für mich zählt dazu auch, in der Advents- und Weihnachtszeit bestimmte Filme zu schauen. Auch da gibt es unterschiedliche Traditionen. Für mich gehört seit meiner Kindheit „Der kleine Lord“ dazu. Auch wenn Sie jetzt kein Fan von diesem Film sind, würde ich mich trotzdem freuen, wenn Sie noch weiterlesen.
Die Geschichte ist schnell erzählt. Ein amerikanischer Junge wird durch unglückliche Umstände plötzlich ein kleiner Lord, weil sein Vater und seine Onkel bereits verstorben sind und sein Großvater – ein Earl in England – keine sonstigen männlichen Nachkommen mehr hat. Ein dem Leben überdrüssiger, miesgelaunter, kränklicher, alter Mann trifft nun auf einen fröhlichen, lebensbejahenden und gegen allen Augenschein an das Gute im Menschen glaubenden kleinen Jungen. Und was soll ich sagen, der dem Leben zugewandte und seinen Großvater bedingungslos liebende Junge setzt sich durch. Eine Veränderung findet statt und am Ende feiern alle fröhlich gemeinsam Weihnachten im großen Schloss. Eigentlich will der griesgrämige Großvater sich den Enkel erziehen, aber letztlich ist es umgekehrt. Indem der Großvater die fröhlichen und lebensbejahenden Sichtweisen und Einstellungen des Kleinen nach und nach annimmt, verändert sich auch seine Stimmung und seine Sichtweise auf die Welt.
Wenn der kleine Lord einfach nur gesagt hätte: „Sei mal fröhlich, Opa!“, hätte sich wahrscheinlich nichts geändert. Aber weil er mit ihm lebt, ihn einfach liebhat und davon ausgeht, dass sein Großvater ein sehr liebenswürdiger und großzügiger Mensch ist, wird der Alte unter der Liebe des Jungen zu genau diesem Großvater.
Mich rührt die Geschichte immer wieder, viele Dialoge kann ich sogar mitsprechen und muss dann immer aufpassen, dass ich meine Familie damit nicht nerve. Aber dieser Film bewegt etwas in mir. Die Liebe, die Fröhlichkeit, die Dankbarkeit und die Großzügigkeit färbt auch ein wenig auf mich ab und bringt mich in die richtige Stimmung für diese Jahreszeit. Er weitet bei mir den Blick für das, war wirklich wichtig ist und wofür ich dankbar bin und vielleicht manchmal gar nicht genug Danke sage. Deshalb brauchen wir solche Augen- und Herzenöffner. Dann können wir in das Wort aus dem 5. Buch Mose einstimmen: „Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott, dir und deiner Familie gegeben hat.“ (5. Buch Mose 26,11).
Lars Löwensen
online seit: 26.11.2025











